Draussen umhergestreift

Was mir draussen auffiel, einfiel oder passierte

Wandern im Flachland? – Na klar!

Autor , am 10. Mai 2017

Im Wald in der Nähe des Dorfes HagenFalls es noch keiner gemerkt hat: Die Stille ist für mich das Nonplusultra. Aber dazu kommt auch, dass in dieser Gegend der Heidewald nicht ausschließlich aus schrecklichen Kiefernplantagen und Fichtenmonokulturen besteht. Die gibt es in der weiteren Umgebung natürlich auch. Aber zum Beispiel schaue ich hier von meinem Schreibtisch aus in die Kronen alter Eichen am Waldrand, ein Stückchen den schrägen Weg hinter’m Häuschen gegangen und man trifft auf Bestände junger Buchen und weiter auf manch anderen reizvollen Anblick. Es gibt hier also eine gewisse Abwechslung, die man in den Wäldern der Heide nicht überall findet und die dem begeisterten Wanderer natürlich gefällt. Wer so etwas beim Wandern ohne Berge sucht, der kann es hier finden.

Ein Wanderweg, der einen weiter zieht!Wer wandern will, mag keine forstwirtschaftlichen Schotterstraßen mit ihrem nach beiden Seiten abgeschrägten Querprofil, der stets gleichförmigen Belastung von Gelenken und Muskulatur und dem nervtötenden Geknirsche bei jedem Schritt. Diese Fuß und Rücken mordenden Passagen haben mit wanderbaren Wegen nun mal rein gar nichts zu tun und dürfen darum nur einen minimalen Teil einer Wanderstrecke ausmachen. Zur Freude aller, die gern draußen zu Fuß oder zu Pferd unterwegs sind: Nicht auf den allerersten Blick erschließt sich die Fülle an unbefestigten Strecken, die man hier unter die Füße bekommen kann. Etliche Wege sind allerdings im Sommer mit Gras und Kräutern bestanden, sodass man eine wirksame Vorsorge gegen Zecken beachten muss – das ist aber nicht nur hier so.

Der so genannte "Uelzener Stadtweg" führt durch den Wald von Hagen nach Zittel, von wo man auf der B4 zur Stadt Uelzen fahren kannManche der Wege, hier dann auch »Bahnen« genannt, sind natürlich forsttypisch grade. Es gibt jedoch auch andere und dazu viele Möglichkeiten die schnurgerade Linie durch Abbiegen noch interessanter zu machen, die Eindrücke sind ohnehin nicht auf ganzer Strecke gleich, sondern bieten durchaus eine gewisse Abwechslung, wenn man Augen und Sinn für’s Draussensein hat. Andererseits untersteicht der Blick in die graden Unterteilungen aber auch den Eindruck der Unbegrenztheit, mit dem man hier unterwegs ist. Es gibt auch Wege mit großzügigen, mehrere Meter breiten, baumfreien Streifen an den Seiten, die diesen grenzenlosen Eindruck noch mehr verstärken.

Ein EichelhäherVon recht vielen Leuten weiß ich, dass sie in den Bergen zwar die Aussicht genießen, aber mit dem Bergauf und Bergab Probleme haben. Ich gehöre zu denen, die die bergige Topographie durchaus vermissen, auch das Bergangehen. Was mir aber gar nicht fehlt, das ist der Geräuschpegel, der mancherorts im Bergland oder Hügelland von jeder kleinen Straße, erst recht von Hauptstraßen und Orten aus Tälern nach oben schallt. Ganz zu schweigen von dem grausamen Motorradlärm, der uns im Berg- und Hügelland in vielen Regionen Deutschlands viele, viele eigentlich herrliche, schöne Tage absolut vermiest hat.

Im Wald trägt eine lichte Stelle zur Vielseitigkeit der Eindrücke bei.So verzichte ich gerne zugunsten des Gefühls von Stille und Abgeschiedenheit auf das Hügelland vor der Haustür. Es tut unglaublich gut, hier ausgedehnte Wanderungen zu unternehmen. Man kann kein Ende der weiten Wälder erkennen und auch das schafft einen ganz besonderen Aspekt der Athmosphäre unterwegs. Außerdem: total platt ist es hier nicht, aber es handelt sich nur um „leichte Unebenheiten“, deutlich unterhalb des Begriffs „Hügel“, finde ich, der in einer Region aufgewachsen ist, die ich als hügelig bezeichne, die von anderen aber gern als bergig eingestuft wird.

Diesen Hirsch habe ich vorige Woche an einem Nachmittag gesehen. Man erkennt deutlich das wachsende neue Geweih.Selbstverständlich sieht man gelegentlich auch Wild, wenn man im Wald  unterwegs ist. Aber mehr als das Wild selbst fallen einem gewöhnlich die Fährten und anderen Anzeichen der Anwesenheit von Tieren auf. Außer dem Rotwild (Hirsche) gibt es Rehe, Wildschweine, Hasen, Füchse, Dachse, Waschbär und diverse Andere bis hin zum Wolf, den ich leider noch nicht leibhaftig gesehen habe – bis auf ein einziges Mal, ganz kurz, nachts vom Häuschen aus mit leuchtenden Augen im Gebüsch. Toll!! Er muss mich auch bemerkt haben und war so schnell weg wie ich kaum hingucken konnte. Leise wie ein Schatten. Wenn an gleicher Stelle nachts mal ein Reh oder Wildschwein flüchtet, dann ist das das unüberhörbar. – Aber ab und zu finde ich seine Hinterlassenschaften auf den Wegen. Der Wolfskot ist gut an den vielen Haaren und Borsten zu erkennen, die er enthält.

Die Bache, zu der diese Frischlinge gehören, hielt sich nah am Weg im dichten Grün auf. Nachdem ich ihr ein wenig erzählt hatte, wie schön dieser Tag doch zum Weiterwandern sei, zog sie mit ihrer Kinderschar gemächlich ab.Vollkommen unverstehbar sind mir solche Leute, die wegen irgendeines der genannten Tiere Bedenken haben, draußen unterwegs zu sein. Für mich sind sie ausschließlich eine Bereicherung des Draußensens. Auch in meinen vorherigen „Hauptstreifgebieten“ gab und gibt es Schwarzwild (Wildschweine) und seit Jahren auch Wölfe. So habe ich auch mal ein gerissenes Rehböckchen gefunden. Es wurde dann über Tage weiter verzehrt. Isegrim selbst legte keinen Wert auf nähere Bekanntschaft mit uns – und das ist typisch für Wölfe, man sieht sie nicht, und wenn man das noch so gerne möchte. Sie vermeiden die Menschen.

Und lassen Sie sich nicht weismachen, dass Wildschweine furchtbar gefährlich sein sollen. Diese Ricke mit ihren beiden Kitzchen konnte ich ganz nah hinter unserem Häuschen aufnehmen.Gefahr geht eigentlich nur dann von ihnen aus, wenn es sich um verletzte Tiere handelt. Mit denen kommt ein Wanderer oder Spaziergänger mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie in Kontakt. Ich selbst bin über die Jahre (ich bin 63 und hatte bereits im Grundschulalter die Neigung, allein in den Wald einzutauchen) schon einige Male einer oder mehreren Bachen mit kleinen Frischlingen oder auch einem richtig dicken Keiler um irgendwelche Wegecken herum, oder weil sie im Randbereich eines deckenden Bewuchses waren, auf sehr wenige Meter nah gekommen (einmal ein Hauptschwein eher weniger als 3 Meter, das fühlt sich sehr direkt an, aber auch dieser wehrhafte Keiler brachte sofort in schneller Flucht Distanz zwischen uns).

Auch das gibt es kaum 10 Minuten vom Dorf: an dieser Stelle wechselt ab und zu Rotwild über den Weg.Gewohnheitsmäßig begrüße ich sie dann mit „Guten Tag, schönes Schwein“ und rede ruhig, hörbar, sachlich und freundlich mit ihnen – Tierton eben. In allen Fällen war ihre größte Sorge, möglichst viel Abstand zu mir zu gewinnen, manchmal flott und manchmal ziemlich gemächlich oder erst nach Überlegungspause. Kein einziges Mal hat eine dieser Sauen auch nur im geringsten versucht, zum Angriff überzugehen oder irgendwie gedroht. Ich lasse ihnen Zeit, um sich zu verziehen, wenn ich genau da entlang möchte wo sie gerade sind und freue mich solange, dass ich ihnen auf Sicht begegnet bin. Also lassen Sie sich keine Ammenmärchen auftischen. Die dienen gewiss mehr dem Zweck, Leute aus dem Wald fern zu halten, weil gewisse Typen die Wald-Welt gern für sich allein haben würden. Eine wirklich nahe Begnung mit Tieren ist in dieser Gegend ohnehin sehr, sehr selten, denn das Wild ist hier recht scheu und nicht verstädtert zahm.

Kranichpaar auf einer WaldwieseSchön finde ich auch, gelegentlich die Kraniche zu sehen, die man von unserem Haus aus und unterwegs ab und zu trompeten hört. Sie müssen irgendwo in der Gegend brüten. Auch den Schwarzstorch habe ich schon gesehen, den Sperlingskauz gehört. Und so könnte ich Weitere aufzählen. Anblicke der Wildiere sind bei mir aber Zufallsbegegnungen, denn für mich kommt überhaupt nicht infrage, den Tieren nachzustellen, etwa in Richtung ihrer Rufe zu gehen, um sie unbedingt zu sehen und sie dadurch zu beunruhigen. Ich habe auch keine Lust mehr, reglos auf einem Hochsitz zu lungern und zu warten. Es genügt mir vollkommem, einfach zu wissen, dass sie auch im Gebiet unterwegs sind. Soweit ich hier Bilder von Wildtieren poste, handelt es sich ausschließlich um zufällige Schnappschuss-Fotos, oft unter voller Ausnutzung des 40fachen Zooms meiner praktisch-kleinen Canon PowerShot SX720 HS. Erstaunlich, was so ein kleines Gerät alles kann.

Keine Fichtenzweige sondern Bärlapp, eine Sporenpflanze, die sich am Boden ausbreitetFalls es jemand interessiert: Es gibt hier leider keine ausgewiesene Parkmöglichkeit für Wanderer. Eigentlich hätte die Gegend es verdient, dass in Hagen ein solcher Hinweis aufgestellt würde. Aber: wenn man in Hagen die Straße „Stadtweg“ von der Hauptkreuzung bis zum Ende fährt, kommt man am Waldanfang an ein verbreitertes Endstück des Asphalts, wo man auf der linken Seite ein paar Autos hinstellen kann. Wenn ich das richtig weiß, war das ursprünglich auch mal dafür gedacht. Man kann auch noch 500 Meter die anschließende Schotterstraße weiter fahren und sein Auto in dem Bereich abstellen, wo links eine hellgrüne Bank ist, soweit dort nicht gerade Holz gelagert wird, an das Fahrzeuge natürlich jederzeit, auch am Wochenende, herankommen können müssen.

Ein Fuchs überquert einen der sandigen Waldwege

Ach, überhaupt – das könnte ich auch noch erwähnen: Man kann in Hagen auch Urlaub machen. Auf Anhieb fallen mir drei Möglichkeiten ein, sich hier einzuquartieren.

Ich kenne diese allerdings nicht von innen, weiß jedoch, dass es immer wieder Stammgäste gibt, die dort seit Jahren hinfahren. Und wie ich von denen höre, werden sie das auch in Zukunft tun Es gefällt Ihnen einfach und sie machen nicht den Eindruck, dass sie sich mit etwas Schlechtem zufrieden geben würden, was man von den Inhabern der Betriebe gewiss auch behaupten darf. Ein Rehchen geht was essen ...n. Daher mag ich die entsprechenden Webseiten hier verlinken (dort kann man auch sehen, dass diese Gegend durchaus mehr zu bieten hat als das, was ich beschreibe):
Sterne-zertifizierte Ferienwohnungen und Appartments
bietet der Dennhornshof
Der Dennhornshof auf Facebook
Ferienhof Fromhagen

Rotwild überquert einen WegOft sind auch Feriengäste mit Hund da und Manche bringen ihre Pferde mit, um in den weitläufigen Wäldern lange Ausritte zu unternehmen. Die Links sind übrigens keine bezahlte Werbung, sondern Empfehlungen für meine Besucher dieser Seite. Die Betreiber der gastlichen Häuser wissen nicht einmal, dass ich sie hier erwähnt habe.

Ich bin sicher, es werden auch weiter Menschen die Athmosphäre beim Draußensein in einer solchen Gegend suchen; Leute, die genau wie ich die Naturhaftigkeit, die supergute Luft, die Stille und Unbegrenztheit und die vielen ganz individuellen Eindrücke und Empfindungen bei ausgedehnten Wanderungen oder kurzen Spaziergängen immer wieder neu erleben möchten.

Über dieses Draussen-Unterwegs-Sein im hiesigen Gebiet werde demnächst noch ein paar weitere Anmerkungen hier reinschreiben. Bis denn!

Hier geht es in den Wald hineinWolfslosung, die schon eine Weile der Witterung ausgesetzt warEin Pfad im Wald An diesem herabgefallenen Kiefernast hat das Rotwild die dünne Rinde abgeschältAbgeschubbertes Winterhaar auf einem Waldweg (Rotwild)Dieses junge Eichhörnchen konnte ich in einer der Eichen am Waldrand von der kleinen Loggia vor meinem Arbeitszimmer aus aufnehmen

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