Draussen umhergestreift

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Schadstoffe im Wild und Umweltschäden durch die Jagd – Jagd und Jäger Teil 11

Autor , am 22. November 2013


Die häufigste Entenart bei unsEin anderer Grund, Zweifel am Sinn des Jagens zu bekommen, begegnete mir zum ersten Mal vor beinahe vier Jahrzehnten in einer forstwirtschaftlichen Fachzeitschrift – bezeichnender Weise nicht in einer der Jagdpostillen, die ich damals auch noch las.

Dort war ein Artikel drin, in dem es um die Schadstoffbelastung im Wildfleisch ging.

Der Artikel handelte speziell davon, dass man das Fleisch von Fasanen untersucht hatte. Diese waren in einem Revier geschossen worden, das zum größeren Teil aus landwirtschaftlichen Nutzflächen bestand. Man stellte einen erschreckend hohen Anteil an Pestizidrückständen fest.

Was ich da las, erschreckte mich. Aber es ist ja vollkommen logisch. Wo Jahre oder Jahrzehnte Chemie verteilt wird, muss es ja Reste geben. Auch die Abbauprodukte von Chemikalien sind immerhin Substanzen, die von Natur aus nicht in einer Landschaft vorkommen. Wenn Flächen auf lange Dauer mit diesem Zeug kontaminiert werden, dann muss sich ja irgendetwas anreichern.

Und was im Boden ist, gelangt in die Pflanzen. Was in den Pflanzen ist, nehmen Tiere mit ihrer Nahrung auf. Darüber hinaus hat das Wild keine Möglichkeiten eine Wartezeit einzuhalten, die für Pestizide nach der Anwendung vorgeschrieben ist. Eine Gesundheitsgefahr soll beim Verzehr nach Ablauf dieser Wartezeit nicht mehr bestehen. Aber jeder hat schon einmal von belastetem Obst und Gemüse im Laden gehört, gelesen oder im Fernsehen erfahren. Es ist also klar, dass Pflanzenschutzmittel sogar bis zum menschlichen Verbraucher gelangen. Wie soll man dann in einer begifteten Landschaft davon ausgehen können, dass dort lebende Tiere nichts davon aufgenommen haben könnten.

Bis dahin hatte ich immer gedacht, dass kein artgemäßer gewachsenes und gesünderes Fleisch denkbar sei als das des Wildes. Schließlich kann kaum ein Haustier so seiner Art entsprechend leben wie ein frei lebendes Wildtier.

Ich hatte den Eindruck, dass ich eher der Einzige war, den die Belastung bedenklich machte. Aber ab da habe ich natürlich ganz gezielt nach weiteren Hinweisen gesucht. Damals gab es das Internet noch nicht und es war nicht so einfach und bequem, an Informationen zu kommen wie heute. Trotzdem läpperten sich bald weitere Fakten zusammen.

Früher hatte ich wirklich gern Wild gegessen. Aber nun fing es an, mir nicht mehr zu schmecken.

Es mag sein, dass Wild aus reinen Waldrevieren in Sachen Pestizidbelastung deutlich besser wegkommt, vielleicht vollkommen frei von Schadstoffen ist.

Aber noch vor einem halben Jahr habe ich eine Notiz gelesen, nach der ein paar Tonnen Wildfleisch wegen überhöhter Schadstoffwerte vernichtet wurden. Man kann allerdings nicht jedes Stück Wild erstmal einer akribischen chemischen Untersuchung unterziehen, bevor es in Verkehr gebracht wird.

Daraus ergibt sich die Frage: Warum soll ich ein Tier abschießen, wenn ich einen Widerwillen bekommen habe, dessen Fleisch zu essen?

Auch eine weitere Belastung, die gerade aktuell häufig diskutiert wird, war damals schon bekannt. Es ist die Belastung durch das Blei, das die Jäger selbst mit ihren Bleischroten in die Umwelt geschossen haben. Allerdings wird heute oft eine Belastung diskutiert, die sich durch das eindringende Bleigeschoss noch mal eben über den Blutkreislauf im Tier verteilen soll, bevor es ganz verendet ist.

Ungefähr zur gleichen Zeit wie die Berichte über die Fasane tauchten Meldungen darüber auf, dass das Wassergeflügel durch aufgenommene Schrotkörner eine erhöhte Belastung an Blei im Organismus aufwies. Zumindest da, wo viel gejagt wurde. Eine Unmenge an Schrotkörnern landet dabei in den Gewässern. Bei der Futtersuche nehmen viele Entenarten dann mit der Nahrung auch die Bleikügelchen auf. Das kann natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Auch bei Fisch hat man Belastungen festgestellt. Durch die Nahrungskette wird das Blei natürlich immer weiter gegeben. Die Todesfälle bei Seeadlern durch Bleivergiftung in den letzten Jahren wurden von den Medien lang und breit publiziert.

Das Erschreckende ist, dass ich damals ausgelacht wurde, als ich sagte, dann müsse man eben aufhören, an Gewässern mit bleigefüllten Schrotpatronen zu schießen. Und wenn es nichts anderes gäbe, dann müsse eben die Jagd dort aufgeben werden. Auch traf ich wieder auf Unverständnis dafür, dass ich diese Tiere nicht mehr auf meinem Teller sehen wollte. Jedenfalls habe ich ab da keinen einzigen Schuss mehr am Wasser abgegeben.

Aber das Ausmaß ist ja noch viel größer. Wenn man ein wenig drüber nachdenkt, kommt man drauf. Wie viel Blei wird auf lange Sicht bei der Jagd auf Niederwild und Krähen durch die Schrotpatronen in der ganzen Landschaft verteilt? Und welche ungeheuren Mengen kommen im Bereich von Schießständen zusammen, wenn dort über Jahre auf Tontauben usw. geschossen wird?

Es mag ja sein, dass das Blei erstmal friedlich dort liegen bleibt, wo es hingefallen ist. Aber was sind schon ein paar Jahre? Was ist nach Jahrzehnten? Was nach 100, 200 oder 1000 Jahren? Wann kommt von diesem Blei etwas im Grundwasser an? Und wie weit ist die Nahrungskette auch hier schon mit diesen Rückständen der Jägerei angereichert?

Die Erkenntnis, bei der Jagd nicht nur nicht mit Natur zu handeln, sondern aktiv die Umwelt zu verseuchen, traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Mindestens so erschreckend wie die Tatsache selbst war für mich die Ignoranz aller Jäger, mit denen ich zu der Zeit zu tun hatte, gegenüber diesen entmutigenden Befunden.

Und obwohl das Riesenproblem so früh bekannt war, wurde jahrzehntelang und heute immer noch lustig weiter mit Bleischrot geschossen und die Umwelt immer mehr damit belastet.

»Alles halb so wild – haben wir immer so gemacht – Blödsinn – natürlich kann man Wildenten essen – die wollen uns nur die Jagd vermiesen.«

Ist Jagd tatsächlich »angewandter Naturschutz«?


1 Jagen? Warum eigentlich? – 2 Töten aus Lust oder Notwendigkeit? – 3 Hirsch tottrinken und anderes – 4 Katzen und neue Tierarten unerwünscht – 5 Wildarten-Durcheinander – 6 Jagd auf Füchse und als extensive Tierzucht – 7 Wildtiere, Wildschutz, Menschen, Jagd – 8 Abschreckendes von der Baujagd – 9 Hubertus von Lüttich, die Jägerei und ich – 10 Ueber Kraehen und andere Rabenvoegel11 Schadstoffe im Wild und Umweltschäden durch die Jagd – 12 Entscheidung gegen die Jagd in dieser Form – 13 Jagd unter Beschuss

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